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Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb

Dass der Tamiya XV-01 eines der besten Rally-Chassis auf dem Markt ist, ist kein Geheimnis. Das leicht übersteuernde Fahrverhalten, seine weitgehende Staubdichtheit und die Qualität der Teile lassen nur wenige Wünsche offen. Zudem verträgt der XV-01 ordentlich Brushless-Power!

Vor einiger Zeit machte ich ein Schnäppchen und holte mir günstig einen nicht gebauten XV-01 PRO, allerdings in der „Touring Car-Variante“. Die PRO-Versionen des XV-01 haben Alu-Dämpfer, CVDs, und verstellbare, obere Querlenker mit rechts-/links-Gewinde serienmäßig an Bord.

Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb
Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon mit einem verbreiterten Tamiya M-03L auf unserer Scalin' Basterds-Rallycross-Bahn unterwegs, und mir gefiel auf Anhieb das „besondere“ Fahrverhalten eines Fronttrieblers: zum einen muss man eine saubere Linie „auf Zug“ fahren; also fließend, ohne Pumpen am Gas oder hektischem Hin- & Herlenken.

 

Zum anderen beeindruckten mich die enorme Wendigkeit, und vor allem das gezielte Übersteuern beim Lastwechsel.

 

Gemeinsame Tests mit 4WD-Chassis zeigten, dass ein ordentlicher Frontie durchaus mithalten, und in langsamen Kurven durch eine anders zu fahrende Ideallinie sogar Vorteile haben kann. Somit war klar: ich baue den XV-01 im Rally-Setup, lasse aber den Riemen und die hintere Antriebseinheit weg, und erhalte hoffentlich einen gut laufenden „Frontkratzer“.

In einschlägigen RC Rally-Gruppen im Facebook fiel mir ein Tuningchassis für den XV-01 auf, das faszinierend einfach gemacht ist: Michal Boucher stellt unter dem Namen „Embie Racing“ maßgeschneiderte, CNC-gefertigte Carbon-Chassis her, und das in einer sensationellen Qualität!

 

Die Vorteile: durch die Sandwich-Konstruktion (oberes und unteres Deck) entsteht ein frei wählbarer Platz zur Anordnung von Akku und ELO, was sich positiv auf die Gewichtsverteilung auswirkt. Die Dämpferbrücken werden bereits bei der Bestellung auf die Länge der Stoßdämpfer bemessen. Das Lenkservo kann in mehreren Varianten eingebaut werden – zum Beispiel mit den Baukasten-Umlenkhebeln oder sogar direkt angelenkt. Und schließlich können sich in einem offenen Chassis weniger Dreck und Steine verfangen ….

Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb
Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb

 

Nach wenigen Tagen waren die Teile bei mir in Österreich, und wie gesagt, die Passgenauigkeit und die Carbon-Qualität ist beeindruckend!

 

Ganz wichtig: Vor dem Einbau habe ich sämtliche Kanten mit feinem Schleifpapier leicht gebrochen, und im Anschluss daran mit Superkleber versiegelt. So können Dreck und Feuchtigkeit die Kohlefaser-Schichten nicht aufquellen lassen!

Dann ging es an den Zusammenbau

Es zeigte sich, dass neben der hervorragenden Bauanleitung von Tamiya auch viel eigenes Hirnschmalz vonnöten ist. Denn trotz guter Fotos auf der Embie Racing-Homepage ist schwer einzuschätzen, bei welchem Bauschritt die Carbonteile befestigt werden sollen (und auch womit). Eine gewisse Erfahrung im RC-Modellbau führt hier sicher schneller zum Ziel!

 

 

Selbstverständlich ließe sich mit dem ER-Chassis auch die 4WD-Variante aufbauen. Es gibt sogar Zusatzteile, die die Montage der Original-Kotflügel zulässt; Löcher zur Befestigung der Riemenabdeckung sind ebenfalls schon ins Oberdeck gebohrt.

Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb
Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb

 Für den Fall, dass jemand wie ich eine 2WD-Variante bauen möchte, ist der XV-01 PRO goldrichtig: erstens kann er an der Vorderachse entweder mit einem Kegeldifferenzial oder einem Alu-Spool ausgestattet werden (letzteres habe ich gemacht), und die sehr empfehlenswerten CVD-Antriebswellen sind auch schon dabei.

 

 

Die Aludämpfer habe ich an einen Kollegen weitergegeben, denn in ein Rally(cross)-Auto gehören lange, weiche Dämpfer mit viel Schluckvermögen! In meinem Fundus waren noch MST Scalecrawler-Dämpfer vorhanden, die auf eine Länge von 60mm (Loch zu Loch) gekürzt wurden. Diese Dämpfer sind leider nicht 100% dicht und werden in absehbarer Zeit ausgetauscht, verrichten aber ihre Arbeit vorerst zu meiner vollen Zufriedenheit.

Ebenso getauscht wird der Standard-Lenkservo, und zwar auf etwas Schnelleres mit mehr Kraft (und einem Metallgetriebe). Ein teurer Low-Profile-Servo ist meines Ermessens aber nicht notwendig.

 

In Sachen Akku wollte ich meine Standard-Hardcase-LiPos einsetzen. ER bietet serienmäßig Einbaumöglichkeiten für Shorties, ich habe aus zwei Kunststoff-“L“-Profilen und einem Klettband eine Lösung für den 2S-Akku zur mittigen Inline-Montage gefunden.

 

Angetrieben wird mein ER XV-01 FWD in der ersten Ausbaustufe durch einen (bereits vorhandenen) Tamiya Sport Tuned-Bürstenmotor und einem Hobbyking QuicRun 1060-Regler. Da der Brushed-Antrieb aber trotz Standardübersetzung gerne warm wird, folgt in einem zweiten Ausbauschritt der Wechsel auf eine Brushless-Combo.

Die Karosserie ist ein in Österreich relativ selten gesehener Skoda Fabia von Dario Cosma (Lexan Body Monky), in puncto Reifen haben sich die Tamiya Standard Rallyblock als gute Wahl erwiesen.

Nach viel Tüfteln am Setup (leichte Nachspur an der Vorderachse, Vorspur an der Hinterachse, auf allen Rädern negativer Sturz) ging es zu Testzwecken zuerst auf die Straße. Der Fronttriebler machte auch auf Asphalt sofort eine prima Figur! Durch die weiche Abstimmung neigt sich der Aufbau in Kurven zwar stärker zur Seite, wegen des sehr tiefen und mittigen Schwerpunkt gibt es aber überhaupt keine Handling-Schwierigkeiten. Das Schluckvermögen der Federung ist ein Traum, und das Chassis liegt im Vergleich zu meinem Allrad-TT01E-Rallyumbau wesentlich ruhiger. 

Dies ist sicher auch der wesentlich präziseren Lenkung des XV-01 geschuldet, und der direkten Anlenkung. Der Lenkeinschlag ist wegen der Lenkhebel-Verlängerungen von Embie Racing sehr gut, durch das 100% gesperrte Differenzial schiebt er aber tendenziell ein wenig über die Vorderachse. Das ist aber bei ambitionierter Fahrweise durch einen Lastwechsel beim Einlenken leicht kurierbar, und dann lenkt das Heck quasi von alleine mit.

 

 

Genau das, gepaart mit einem „runderen“ Fahrstil macht die Faszination Frontantrieb für mich aus – es ist einfach spaßig zu fahren! Ich würde mich jedenfalls darüber freuen, wenn es in Österreich zukünftig mehr FWD-Junkies gäbe, und wir uns in Zukunft in einer eigenen 2WD-Klasse messen könnten!

Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb
Embie Racing Tamiya XV-01 FWD – Rallycrossen mit Frontantrieb

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