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Elektronik richtig löten - "Tipp des Monats"

Ich darf euch meine neue Beitragsserie "Tipp des Monats" vorstellen. In meinem ersten Beitrag geht es um löten von Elektronik, was man dazu alles benötigt und wie es funktioniert.

Was ist Löten eigentlich?

Gerade in unserem Hobby ist löten ein ständiger Begleiter und aus dem Bereich der Elektronik nicht mehr weg zu denken. Gelötet wird dann wenn Wärme oder Strom geleitet oder Materialien verbunden werden sollen.

 

Beim Löten wird zwischen Weichlöten & Hartlöten unterschieden.

Lötzinn mit Flussmittel

Weichlöten wird in der Elektronik eingesetzt. Dort werden Temperaturen von 450°C nicht überschritten da das Lot schon darunter (180 °C - 250 °C) flüssig wird. Zudem wäre eine höhere Temperatur für elektronische Komponenten nicht gut! 

 

Hartlöten verwendet man wenn Metalle wie z.B. Stahl, Kupfer, Messing verbunden werden sollen. Hierbei benötigt man aber ganz andere Werkzeuge, Materialien und vor allem Temperaturen die über 450°C liegen. Hartlöt-Verbindungen sind durch die verwendeten Materialien auch stabiler und belastbarer. 

Was brauche ich an Werkzeug und Material?

Um loslegen zu können benötigt man einen LötkolbenLötzinn (Lot), Lötkolben-Ständer und einen Salmiakstein. Beim Lötzinn gibt es zwei verschiedene Arten; Lötzinn mit Flussmittel und Lötzinn ohne Flussmittel. Das Flussmittel dient hierbei wie ein Gleitmittel zwischen den beiden zu verbindenden Materialien oder Komponenten. Ich empfehle immer Lötzinn mit Flussmittel (in der Stärke 1mm - 1,5mm) da man sonst das Flussmittel separat auftragen muss.

 

Lötkolben

Bild: Lötkolben

(erhältlich bei Conrad.at)

Es gibt Lötkolben mit Lötstation und welche die direkt an der Steckdose angesteckt werden. Lötet man viel Elektronik und SMD-Bauteile kommt man an einem Lötkolben mit Lötstation fast nicht herum. Bei einer Lötstation kann man die Temperaturen variabel einstellen was beim SMD Löten sehr wichtig ist um die Bauteile nicht zu beschädigen.


Ich selbst habe einen Lötkolben welcher einfach an der Steckdose anzustecken ist. Dieser reicht für meinen Anwendungsbereich völlig aus. In meinem früheren Job habe ich unter anderem sehr viel SMD gelötet. Dort kamen große Lötstationen und Absauganlagen zur Anwendung.  Der Salmiakstein dient zur Reinigung der Lötkolbenspitze. Die Spitze kann mit dem Stein in heißem Zustand gereinigt werden. Empfehlen kann ich aus Erfahrung die Geräte von ERSA.

Bild: Lötkolben-Ständer

(erhältlich bei Kayhobbies.at)

Salmiakstein

Bild: Salmiakstein

(erhältlich bei Kayhobbies.at)


Wie löte ich richtig?

Damit die Teile sich perfekt verbinden können, müssen sie frei von Schmutz und vor allem Fett sein. Zur Reinigung kann man z.B. Leiterplattenreiniger, Alkohol oder feines Schleifpapier verwenden.

Da beim Löten die Teile welche verlötet werden sehr heiß werden, sollte man sich eine sogenannte "dritte Hand" oder einen Schraubstock besorgen. So kann man die Teile fixieren und sauber zusammenlöten ohne das man Stress hat weil die Teile heiß werden. Lässt man die Teile nämlich zu früh los, können kalte oder fehlerhafte Lötstellen entstehen.


Diese Lötstellen sind dann sehr brüchig und/oder leiten keinen Strom. Fehlerhafte Lötstellen erkennt man daran dass sie sehr matt und/oder feinkörnig sind.

 

 

Möchte man Drähte verlöten, sollte man diese zuvor mit den Fingern verdrillen. So erhält man eine zusätzliche Stabilität und die einzelnen Litzen gehen durch die Hitze beim Lötvorgang nicht auseinander.  

Hat man alles Vorbereitet gibt man ein wenig Lötzinn auf die heiße Lötkolbenspitze und erwärmt den Draht 2-3 Sekunden und gibt dann Lötzinn hinzu. Dann bewegt man den Lötkolben leicht am Draht entlang bis alles mit Lötzinn bedeckt ist. Jetzt die Lötstelle nicht bewegen und einige Sekunden abkühlen lassen. Eine perfekte Lötstelle glänzt leicht silbrig und ist glatt. 

Wie entlöte ich richtig?

Natürlich kann man Lötstellen auch wieder lösen und reinigen. Dazu benutzt man eine Entlötlitze. Eine Entlötlitze besteht aus mehreren geflochtenen ganz dünnen Kupferdrähten. Diese Kupferdrähte nehmen das Lötzinn beim Erhitzen auf. Wichtig ist hier wieder, bitte nicht zu lange das Bauteil oder die Lötstelle erhitzen da sie sonst beschädigt werden kann.

 

Neben der Entlötlitze kann man für größere Säuberungen auch eine Lötabsaugpumpe verwenden. Diese wird nach dem erhitzen des Lötzinns auf das Lötzinn gedrückt und der Mechanismus ausgelöst. Die Pumpe saugt das Lötzinn ein. Für die finale und feine Säuberung kann wieder die Entlötlitze verwendet werden.

Entlötlitze

Bild: Entlötlitze

(erhältlich bei Conrad.at)

Lötabsaugpumpe

Bild: Lötabsaugpumpe

(erhältlich bei Conrad.at)


Sicherheit geht vor!

Bitte unterschätze nicht die Hitze der Lötspitze und des flüssigen Materials! Damit kann man sich ordentlich verbrennen und auch Feuer entfachen. Lagere den heißen Lötkolben stehts auf einer feuersicheren Unterlage oder in einer dafür vorgesehenen Halterung oder Stand.

 

Es ist auch darauf zu achten, den Rauch des schmelzenden Lötzinns und Flussmittels nicht einzuatmen. Wenn man viel lötet sollte man deshalb an eine Absauganlage denken. Ich hab beim Löten immer ein Fenster offen oder einen kleinen Ventilator neben mir laufen der den Rauch verwirbelt.

 

Als ich noch beruflich SMD gelötet habe, hatte ich auch eine Schutzbrille auf da man dazu relativ nahe an die Lötstelle bzw. das Bauteil rangehen muss. Es kann ganz schnell gehen und Lötzinn oder Flussmittel spritzt einem ins Gesicht und wenn es blöd läuft ins Auge.

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Kommentare: 3
  • #1

    Fabian (Freitag, 28 September 2018 10:54)

    Hi Marco,

    danke für deine Tipps! Ich verfolge deinen Blog schon länger und habe mir schon einiges abschauen können.

    Schöne Grüße
    Fabian

  • #2

    Werner Scheibl (Freitag, 28 September 2018 15:20)

    Hut ab Marco, SUPER, auch für weniger geübte verständlich geschrieben und nachzuvollziehen.
    Du machst das ganz toll.

    LG
    Werner

  • #3

    Marco (Freitag, 28 September 2018 19:31)

    Hallo Werner,

    freut mich, das war mein Ziel :)

    LG Marco